Eine Schule ist erst dann ein Ort des Lebens und Lernens, wenn er frei von Diskriminierung ist und sich alle wertgeschätzt und wohlfühlen können. Um das zu gewährleisten, ist es wichtig, engagierte Schülerinnen und Schüler zu haben, die sich aktiv für eine gute Atmosphäre an der Schule einsetzen. Dazu braucht es oft Zivilcourage, die in der Schule gelernt werden muss, um in der Praxis nicht nur dort, sondern auch in der Gesellschaft Anwendung zu finden.

Dazu gab es am 21. und 22. Mai am Comenius-Gymnasium einige Aktionen.

Mit drei Teamerinnen des Courage-Netzwerks wurden 16 Klassensprecherinnen und Klassensprecher der 6. bis 9. Klassen zu sogenannten CourageCoaches ausgebildet. Ziel der Fortbildung war es, die Schülerinnen und Schüler zu stärken, Verantwortung im schulischen Alltag zu übernehmen und aktiv gegen Diskriminierung und Ausgrenzung einzutreten.

Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur theoretische Inhalte wie Formen von Diskriminierung, Zivilcourage und Menschenrechte, sondern vor allem praktische Übungen. In Rollenspielen, Gruppenarbeiten und Gesprächssituationen lernten die Teilnehmenden, wie sie in Konfliktsituationen angemessen reagieren und Mitschülerinnen und Mitschüler unterstützen können.

Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie man im Schulalltag eine offene und respektvolle Atmosphäre fördert. Die angehenden CourageCoaches entwickelten gemeinsam Ideen für Aktionen an der Schule, die die langjährige Arbeit der Gruppe der AntidiskriminierungstrainerInnen weiterführt.

Die 16 ausgebildeten und mit Zertifikat versehenen Klassensprecherinnen und Klassensprecher sollen nun als Multiplikatoren wirken. Sie stehen ihren Klassen als Ansprechpartner zur Verfügung und unterstützen bei Problemen, Konflikten oder Unsicherheiten. Gleichzeitig sollen sie dazu beitragen, das Bewusstsein für Vielfalt und Toleranz in der Schulgemeinschaft weiter zu stärken.

Die Ausbildung war für viele Beteiligte eine bereichernde Erfahrung. Besonders hervorgehoben wurde die Möglichkeit, eigene Meinungen einzubringen und konkrete Handlungsmöglichkeiten für den Alltag zu entwickeln. „Jetzt weiß ich besser, wie ich reagieren kann, wenn ich etwas Ungerechtes sehe“, berichtete eine Teilnehmerin nach Abschluss der Schulung.

Die neuen CourageCoaches tragen dazu bei, dass Zivilcourage nicht nur ein Begriff bleibt, sondern im täglichen Miteinander sichtbar wird.

Darüber hinaus bot das Comenius-Gymnasium für die 6. Jahrgangsstufe ein weiteres Projekt an. Für die Schülerinnen und Schüler hieß es am Donnerstagabend: „Schule einmal ganz anders erleben“. Im Rahmen einer Schulhausübernachtung, organisiert durch die pädagogische Betreuung der Tutoren Frau Fuggenthaler und Herrn Ertl sowie die engagierten Obertutoren, verwandelte sich das Schulhaus über Nacht in ein Erlebniszentrum. Ziel der Aktion war es, das Selbstbewusstsein und die Selbstbehauptung der Kinder spielerisch zu stärken und die Klassengemeinschaft sowie Freundschaften weiter auszubauen.

Ein Schwerpunkt lag dabei auf dem Gewaltpräventionsprojekt „Trau Dich!“. Durch gezielte Spiele lernten die Kinder, in ungewohnten Situationen selbstbewusst aufzutreten. So übten sie beispielsweise vor der Klasse durch Aussagen Stellung zu beziehen. Zudem lernten sie die eigenen Grenzen von Nähe und Distanz kennen und erprobten sich beim selbstbewussten Stopp-Rufen, wenn der persönliche Wohlfühlabstand von einem Mitschüler unterschritten worden ist.

Neben diesem pädagogischen Mehrwert kamen aber auch Spaß und Bewegung – etwa bei der Schulhausrallye, dem Abendessen im Freien und einem gemeinsamen Spaziergang an die Donau – nicht zu kurz. Ein atmosphärischer Höhepunkt erwartete die Schülerinnen und Schüler vor dem Bettgehen: In einem nur mit Neonlichtern stimmungsvoll beleuchteten Gang begaben sich die Comenianer auf den Weg zur Turnhalle. Dort angekommen, lauschten sie in gemeinsamer Runde einer fantasievollen Geschichte, die auf unterhaltsame Weise die Themen Selbstbestimmung und Vorurteile aufgriff und für den einen oder anderen Lacher sorgte. Daran anknüpfend huschten die Kinder in ihre liebevoll aufgebauten Bettenlager und erholten sich vom ereignisreichen Abend. Am nächsten Morgen gab es vor dem Frühstück noch eine Runde Morgengymnastik in der Pausenhalle, um gut in den letzten Schultag vor den Pfingstferien zu starten.

Während die Sechstklässler die Schule über Nacht eroberten, war für die 11. Jahrgangsstufe für die beiden Tage ein hochkarätiger Workshop zur Zivilcouragegeplant, welcher jedoch auf das neue Schuljahr verschoben werden musste. In Zusammenarbeit mit dem „Dominik-Brunner-Förderverein für Zivilcourage e.V.“ setzen sich die Jugendlichen mit der Frage auseinander, wie man in kritischen Situationen verantwortungsvoll handelt, ohne sich selbst zu gefährden.

Der Workshop, der das Gedenken an den selbstlosen Einsatz von Dominik Brunner zum Anlass nimmt, vermittelt den angehenden Abiturienten nicht nur theoretische Grundlagen und rechtliche Aspekte. In praktischen Übungen und Rollenspielen trainieren die Jugendlichen ihre Handlungskompetenz. „Wir möchten unsere Schülerinnen und Schüler ermutigen, hinzuschauen statt wegzusehen“, betonten die Organisatoren des Comenius-Gymnasiums. Die Veranstaltung macht deutlich, dass Zivilcourage ein zentraler Bestandteil des demokratischen Selbstverständnisses ist, den es bereits in der Schule zu praktizieren gilt.

Begleitend zu den Aktionen sind bis 23.6. in der Pausenhalle die „Verkehrsschilder der Gerechtigkeit“ aufgestellt. Mit ihnen werden Werte wie Fairness, Gleichberechtigung und gegenseitige Rücksichtnahme sichtbar. Klassen können dazu ein Quiz machen, in dem es nicht nur um Wissensfragen geht, sondern beispielsweise auch gefragt wird, was an der Schule in Bezug auf das Thema „Respekt“ verbessert werden könnte.