Chemieshows oder vielmehr Theateraufführungen, die mit Chemieversuchen aufgepeppt wurden, haben ja am Comenius-Gymnasium eine gewisse Tradition. Nach verschiedenen Genres wie Western, Detektivgeschichten, Märchen und Mafia wurde diesmal versucht, Goethes Faust als Chemieshow auf die Bühne zu bringen. Nach übereinstimmender Meinung der Zuschauer gelang dies außerordentlich gut. Der Plot orientiert sich im Prinzip an der Originalvorlage, dich die Handlung spielt Anfang des 20. Jahrhunderts und Faust, ein Chemiker, scheitert in seinem Labor andauernd daran, das Feuer zu beherrschen, dabei strebt er nach dem Nobelpreis. Mephisto – großartig gespielt von Agnes Hofner – verabredet mit Gott, Faust versuchen zu dürfen. Mit Mephistos Hilfe gelingen alle Feuer- und Flammenversuche vom alten Faust (Birger Pistohl). Gerade Fausts Labor bietet viele Möglichkeiten, chemische Showversuche (brennende Hand, Methanmamba etc.) unterzubringen. In Auerbachs Keller zeigt Mephisto Faust, welche Macht er ihm verleihen kann– Faust beeindruckt die Studenten mit chemischen Tricks- und unterschreibt mit Blut („Messerversuch“) den Pakt. Auf einem Chemiekongress begegnet Faust Margarethe (Jenny Sykora), die in der Krebsforschung arbeitet und dabei ist, den Krebs zu besiegen. Faust zweifelt an seiner Waffenforschung, doch Mephisto sabotiert Gretchens Versuch („Elefantenzahnpasta“). Beim Chemiekongress wird Faust gefeiert, Gretchen aber wird ausgebuht. Bei der anschließenden Aftershowparty weist Gretchen Fausts Annäherungsversuche zurück: „Heinrich, mir graut vor dir“ und Mephisto bietet Faust den Verjüngungstrank an. Der junge Faust (Michael Leier) und Gretchen verlieben sich und Faust beschließt, ihr beim Erlangen des Nobelpreises zu helfen, wobei ihn Mephisto unterstützt. Wegen der Liebe will Faust aber letztendlich den Pakt nicht erfüllen, und mit Gottes Hilfe gibt es für Gretchen und Faust ein Happy End.
Das Besondere an diesem Chemietheater in Vergleich zu den vorherigen Shows, dass die Akteure auf kürzeste Zeit recht viel Originaltext lernen mussten, und dass die Chemieversuche sich elegant in die Geschichte einfügten. Beispielsweise wollte der junge Faust den Pakt verbrennen. Das Papier brannte zwar, blieb aber unbeschädigt. Gott hingegen ließ den Vertrag in Flammen aufgehen. Beim alten Faust gelangen die Versuche nicht, Mephisto dieselben hingegen schon…Chemie, Magie und Show, das passt einfach.

